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Eine kleine Hommage an den Schwingsport
Am vergangenen Sonntag gab es etwas ganz Neues. Im Schweizer Fernsehen lief den ganzen Tag ein Sport, den man sonst im Programm vergeblich sucht. Schwingen nämlich. Eine ganztägige Live-Übertragung von der Schwinget auf der Schwägalp. Ich hab mir das natürlich nicht angesehen.
Nein, nicht weil ich Schwingen uninteressant finde, sondern weil ich da war. Vor Ort, am Fusse des Säntis. Manch einer mag schmunzeln, glaubt man das Schwingen doch als einen Sport für Hinterwäldler und Bauern. Aber das ist ein Klischee und damit gilt es auf zu räumen, denn: Schwingen ist toll!
Ich bin kein Sportfan, soviel hab ich schon mal klar gemacht (man lese die Kolumne zum Frauenfussball). „Die Kunst ist mein Sport“ pflege ich zu sagen. Das Schwingen aber, dafür kann ich mich begeistern. Mit breitem Appenzeller Dialekt schrei ich „Los, nemmen, dä Sauchog“, „Chomm los“ und tue nach einem Kampf mein Wohlwollen mit „Da ischt en zäääche Cheib“ kund.
Woher diese Begeisterung kommt? Das ist ganz einfach zu beantworten: Schwingen ist echt, pur und hochspannend. Hier gehts um reine Ur-Kraft. Zwei Männer, zwei Hosen aus Jute, ein Kreis aus Sägemehl, thats it. Kein Ball, kein Auto, kein Getüdel. Die Schwinger benutzen nur das, was ihnen von Natur gegeben. Das ist faszinierend! Und pure Männlichkeit.
Diese Schwinger sind zwar selten Abbilder des griechischen Adonis. Sie haben Nacken wie ein Stier, Pranken wie ein Bär und bringen selten unter 100 Kilo auf die Waage. Aber ein Schwinger kann nicht nur eine Frau beschützen, sondern die ganze Familie noch mit. Inklusive Tante und Grosscousine. Die passen nämlich alle hinter seinen breiten und starken Rücken. Ich glaube sogar, dass einer wie der Fausch sich im Kugelhagel vor mich stellen könnte und dabei keinen Kratzer abkriegen würde. Nur im Dunkeln, da will ich ihm nicht begegnen. Dieser Aspekt aber ist nur ein kleiner Teil meiner Begeisterung.
Der Schwingsport ist ehrlich. Und so sind es seine Sportler, genauso wie seine Anhänger. Nach jedem Kampf reicht der Sieger dem Verlierer die Hand und streicht ihm das Sägemehl vom Rücken. Der Fan vom Gisler sitzt neben dem Anhänger vom Abderhalden und beide würden sie nicht auf die Idee kommen, sich die Köpfe ein zu schlagen. Das suche mal einer in einem anderen Sport.
Schwingen mag Tradition sein, doch Tradition ist das, was uns verbindet und wieder zusammenbrignen kann. Vor allem wenn es auf diese Art geschieht.
Wir sehen uns auf der Schwägalp!
Eure Rebecca
rebecca.schnyder@alltickets.ch
Nein, nicht weil ich Schwingen uninteressant finde, sondern weil ich da war. Vor Ort, am Fusse des Säntis. Manch einer mag schmunzeln, glaubt man das Schwingen doch als einen Sport für Hinterwäldler und Bauern. Aber das ist ein Klischee und damit gilt es auf zu räumen, denn: Schwingen ist toll!
Ich bin kein Sportfan, soviel hab ich schon mal klar gemacht (man lese die Kolumne zum Frauenfussball). „Die Kunst ist mein Sport“ pflege ich zu sagen. Das Schwingen aber, dafür kann ich mich begeistern. Mit breitem Appenzeller Dialekt schrei ich „Los, nemmen, dä Sauchog“, „Chomm los“ und tue nach einem Kampf mein Wohlwollen mit „Da ischt en zäääche Cheib“ kund.
Woher diese Begeisterung kommt? Das ist ganz einfach zu beantworten: Schwingen ist echt, pur und hochspannend. Hier gehts um reine Ur-Kraft. Zwei Männer, zwei Hosen aus Jute, ein Kreis aus Sägemehl, thats it. Kein Ball, kein Auto, kein Getüdel. Die Schwinger benutzen nur das, was ihnen von Natur gegeben. Das ist faszinierend! Und pure Männlichkeit.
Diese Schwinger sind zwar selten Abbilder des griechischen Adonis. Sie haben Nacken wie ein Stier, Pranken wie ein Bär und bringen selten unter 100 Kilo auf die Waage. Aber ein Schwinger kann nicht nur eine Frau beschützen, sondern die ganze Familie noch mit. Inklusive Tante und Grosscousine. Die passen nämlich alle hinter seinen breiten und starken Rücken. Ich glaube sogar, dass einer wie der Fausch sich im Kugelhagel vor mich stellen könnte und dabei keinen Kratzer abkriegen würde. Nur im Dunkeln, da will ich ihm nicht begegnen. Dieser Aspekt aber ist nur ein kleiner Teil meiner Begeisterung.
Der Schwingsport ist ehrlich. Und so sind es seine Sportler, genauso wie seine Anhänger. Nach jedem Kampf reicht der Sieger dem Verlierer die Hand und streicht ihm das Sägemehl vom Rücken. Der Fan vom Gisler sitzt neben dem Anhänger vom Abderhalden und beide würden sie nicht auf die Idee kommen, sich die Köpfe ein zu schlagen. Das suche mal einer in einem anderen Sport.
Schwingen mag Tradition sein, doch Tradition ist das, was uns verbindet und wieder zusammenbrignen kann. Vor allem wenn es auf diese Art geschieht.
Wir sehen uns auf der Schwägalp!
Eure Rebecca
rebecca.schnyder@alltickets.ch
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