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Der Ticketschwarzmarkt wird elektronisch

Interessante Zeilen im Tagi


Der Ticketschwarzmarkt wird elektronisch


Von Patrick Holenstein (Tagesanzeiger, 31.03.2008)
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Musiker versuchen immer mehr mit Konzerten zu verdienen. Die Folge sind teurere Tickets. Darum floriert der Graumarkt. Nun wandert er ins Internet.

Einsam steht eine junge Frau vor dem Zürcher Kaufleuten und lauscht den dumpfen Klängen, die durch die Scheiben dringen. Ein Ticket hat sie im Vorfeld keines bekommen. Und die, die ihr vor dem Lokal angeboten wurden, waren zu teuer. Bryan Adams gibt eines seiner raren Schweizer Club-Konzerte also ohne sie.

Egal ob U2, AC/DC oder die Rolling Stones - die Tickets sind begehrt und innert kürzester Zeit ausverkauft. Denn sobald sie in den offiziellen Verkauf gelangen, tauchen einige der Karten auf dem Graumarkt auf. Wo sich der Zweithändler früher am Tag des Anlasses vor der Halle, in Regen und Kälte, dem Kunden stellen musste, braucht er heute nur noch einen PC. Diverse Internetseiten erleichtern das Geldverdienen mit Billetten.

Studenten suchen für andere


Nicht selten wird da gleich der doppelte Verkaufspreis verlangt. Manuel Reinhard betreibt seit sechs Jahren den Online-Billethandelsplatz Ticketpark. Er kennt das Problem der horrenden Preise und setzt auf Prävention: «Immer wieder weisen wir darauf hin, dass man keine Preise bezahlen soll, die zu hoch erscheinen.» Doch jeder Kunde habe andere Vorstellungen davon, wo die Grenze liege. «Am besten sind daher Geduld und Vertrauen. Kurz vor dem Anlass sinken die Ticketpreise.»

Vier Studenten haben erkannt, dass sich mit einem systematischen Suchangebot Geld verdienen lässt. Im November 2004 riefen sie Alltickets ins Leben. Aktuell arbeiten fünf Personen mit. Einer davon ist fest angestellt, dazu kommt eine Hilfskraft, die aktiv wird wenn viel Arbeit ansteht.

Um Tickets zu besorgen, haben die Alltickets-Macher ein Netz aus Kontaktpersonen und Informanten aufgebaut, und inzwischen wissen sie genau, wo sie nach Billetten suchen müssen.

Besonders wichtig ist dem Team, dass es nicht um Gewinnmaximierung geht, sondern darum, einen Gegenpol zu den schwarzen Schafen zu bieten. Sie distanzieren sich vom Schwarzmarkthandel vor Konzertlokalen, weil sie dem Kunden den sicheren Zutritt schon im Vorfeld garantieren wollen. Das Risiko, vor der Halle leer auszugehen, fällt somit weg.

Der Schwarzmarkt ist grau


Egal ob ein Konzert ausverkauft war, der Konzerthinweis zu spät entdeckt wurde oder die Schlange vor dem Ticketschalter zu lang war, Alltickets gibt an, in fast allen Fällen helfen zu können – sofern der Preis stimmt. Dieser wird zwischen den Verhandlungspartnern im Voraus abgesprochen und kann den tatsächlichen Ticketpreis über- oder unterbieten. Laut internen Statistiken bewegt sich der Aufschlag durchschnittlich bei 26 Prozent. Um auf Kundenwünsche schnell und gezielt reagieren zu können, kauft Alltickets für Anlässe mit grosser Nachfrage im Vorverkauf eine Anzahl Karten.

Schwarzmarkt ist eigentlich das falsche Wort. Grauzone trifft es besser. Der Ticket-Weiterverkauf ist nicht illegal, wie die Stadtpolizei Zürich bestätigt: «Nur der Handel auf öffentlichen Plätzen ist verboten.» Aber was dort abläuft, ist nicht der Rede wert, wie Konzertbesucher selbst feststellen können. Bloss ein paar Besucher stehen herum, die ein Ticket zu viel haben, weil jemand krank wurde. Der organisierte Handel ist längst ins Internet abgewandert.

Für die junge Bryan-Adams-Anhängerin vor dem Kaufleuten ändert das allerdings nichts mehr. Sie hat das Nachsehen, weil andere Tickets gehamstert haben, um sie teuer weiterzuverkaufen. So zieht die Frau davon und hofft auf ein nächstes Mal.


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Monday, 23. June 2008 | 14:52

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