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FrauenFussball


Schon spannend, wie sehr in unseren Köpfen trotz Emanzipation einige Klischees noch so stark verankert sind. Oder entstammen die Klischees der Realität, die sich doch nicht so sehr verändert hat wie Alice Schwarzer es sich wünschte?

Ab und zu kommt es vor, dass ich in sportlichem Trikot mit einem Fussball unterm Arm unterwegs bin. Ich ziehe an diesen Tagen so viele Blicke auf mich, wie selten. Grad so gut könnt ich mit einem pinken Hut und gelbem Schal um den Zytglogge tanzen - auf den Händen.
Wenn ich in den Bus einsteige, beschauen mich zwei junge Herren erst überrascht, nicken sich dann grinsend zu. Beim Aussteigen belächelt mich ein Jungsprung von 13 Jahren heimlich von der Seite und eine Frau runzelt beim Vorbeigehen die Stirn.
Eine Frau, die Fussball spielt, scheint ein Absurdum zu sein.

Nur: Ich verstehe nicht mal was von Fussball. Ich spiele nicht und schaue nicht und kenne nicht. Wenn mein Wortschatz eine Dachkammer wär, läge das Wort Fussball im hintersten Regal ganz oben in der Ecke. Mit viel Staub bedeckt. Ich weiss wie man es buchstabiert, weil ich generell was von Grammatik verstehe.

Was also macht die Rebecca mit Fussball?
Ich spiele auf Stadtrundgängen zur Geschichte des Fussballs in Bern die Trainerin. Besteht die Gruppe nur aus Männern, muss ich mir die Überzeugung in den 90 Minuten hart erkämpfen. Erstaunlicherweise komm ich selten in Erklärungsnot und es passiert immer wieder, dass die Frage auftaucht, welche Mannschaft ich denn sonst trainiere. Ich bin wohl etwas besser im schauspielern als im Fussball.
Verhau ich doch unter allgemeinem Schmunzeln einen Pass, rette ich mich mit Schlagfertigkeit. „Du hast‘s in den Beinen, ich im Kopf. Deswegen bist du Spieler und ich die Trainerin.“

Als Trainerin bin ich hart, habe einen männlichen Gang und gebe den Ton an (ebenso gut könnt ich zum Militär). Ich muss mich von meiner naturellen Weiblichkeit distanzieren, um in dieser Funktion ernst genommen zu werden und nicht selber über mich zu lachen. Ich bediene also genau das Klischee, Frauen und Fussball, nee.
Alice Schwarzer würde mich dafür mit Füssen treten.

Übrigens: Das eine Mal, bei dem ich meinen Freund so beeindruckt habe, dass er ganz kurz sprachlos da sass, war, als ich einen holländischen Fussballer im Fernsehen benennen konnte. „Heilandzack“ sagte er nur.

Vielleicht sollte ich mich doch etwas mehr mit Fussball beschäftigen.

Eure Rebecca
rebecca.schnyder@alltickets.ch



Wednesday, 17. June 2009 | 00:27

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