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Helden unserer Zeit – eine Suche
Superman war nie mein Held, ich glaubte an Batman, die schwarze Fledermaus, die des Nächten das Böse bekämpfte. Als Kind bekräftige er meinen Glauben, dass es Übermenschen gibt, die die Welt vor dem Abgrund bewahren. Im Religionsunterricht sprachen wir über den Samariter Martin und gedachten ihm mit einem Räbeliechtli-Umzug.
Ich lese keine Comics mehr, ebenso wenig die Bibel. Doch Hoffnung und Glauben, dass es sie gibt, die Helden, will ich nicht begraben. Oder muss ich?
Wo sind sie hin, die Helden unserer Zeit? frag ich mich während der Berner Samariterverein seine jährliche Preisverleihung abhält.
Präsident ist der schwule SVP-Nationalrat Thomas Fuchs. Ist das die Reinkarnation des guten Samariter Martin, der den Armen Kleid und Essen gab? Ist das die Heldenfigur, die ich Suche, die die Welt zu einem besseren Ort machen soll?
Unmöglich, denke ich mir und mache mich auf die Suche nach den Helden. Auf der Strasse gehen viele vorbei, die potentielle Helden sein könnten. Doch woran erkennt man sie? An kräftigen Armen, einem entschlossenen Gang? Ein Superman-Trikot trägt keiner, oder ist es unterm Polo versteckt?
Vielleicht darf man sich nicht auf die Äusserlichkeiten konzentrieren, aber ich kann kaum jeden fragen, ob er vielleicht ein Held sei in seinem geheimen zweiten Leben.
Bei einem Glas Wein auf der Bellevue-Terrasse ziehe ich Bilanz. Muss ich mich also damit zufrieden geben, sie ungesehen irgendwo zu vermuten, die Helden unserer Zeit? Weiter darauf vertrauen, ohne zu wissen?
Plötzlich legen mir zwei Hände eine kuschelweiche Kaschmirdecke über die Schultern. Ein strahlendes Lächeln meint „Je pense, peut-être la Mademoiselle a froid?“
Es gibt sie noch.
Eure Rebecca
rebecca.schnyder@alltickets.ch






