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Schweine in St.Gallen und Rom

Absurdum der Eitelkeiten


Funktionalität ist keine Eigenschaft, nach der Frau ihre Ausstattung zusammensucht. Soviel ist klar. Dass manche aber über die Eitelkeit ihren ganzen Verstand ausschalten, dass ist auch mir ein Rätsel. Selbst ich schaff es, an einem OpenAir zwar zu meiner Definition von „gut aussehen“ hinauf zu leben, ohne aber mein ganzes Badezimmer plus Kleiderschrank mit zu nehmen. Und das heisst einiges. Fragt mal meinen Freund

Was braucht man an einem OpenAir? Ein Zelt, Schlafsack, Stroh und Bier. Das ist die Grundausstattung. Weiss jeder. Gut, den Damen räumen wir noch ein paar kleine Extras ein. Muss ja, ich gehör schliesslich auch dazu.
Alles weitere wird dem Rahmen angepasst – und dem Wetter. Das war nun am diesjährigen Festli im Sittertobel nicht trocken. Im Gegenteil. Es hat geregnet, sehr. Alle die das Sittertobel kennen, wissen: Endprodukt gleich Schlamm. Damit war zu rechnen, dank Meteo wussten wir das, die Rahmenbedingungen also klar. Die Gummistiefel (oder im Falle der Herren Militärschuhe o.ä.) folglich oberstes Gut für die drei Tage, logisch. Oder doch nicht?!

Was bei Hitze und Sonne noch nicht auffiel, wurde im Laufe des regnerischen Samstags zu meinem Augenmerk Nummer eins. Da häuften sich FlipFlops über Ballerinas und Converse. Wobei im Laufe des Tages unter all dem Schlamm eine Definition der weiblichen Schuhwerke fast unmöglich wurde. Sie balancierten, quiekten, liessen sich tragen und doch nützte alles nichts. Die Schuhe sind hinüber, wenn sie nicht grad ganz im Schlamm stecken blieben und in der Untiefe verschwanden.
Ist das die Eitelkeit wert? Nö. Sag sogar ich.
Überdies muss man ja heutzutage auch mit Gummistiefeln nicht mehr aussehen wie der Opa vom Schrebergarten. Da gibts Blüemli und Karo, Schleifen und Farben zur Wahl. Und sonst geht wenigstens Barfuss, sagte ich, und watete mit Gummistiefeln und trockenen Füssen munter weiter durch den Schlamm.

Rom hingegen ist warm, heiss gar im Sommer und vornehmlich trocken. Eine Juli-Woche lang konnte ich das bunte Treiben in der ewigen Stadt beobachten und traute meinen Augen kaum: Stiefel. Soweit das Auge reicht. Was in L.A die Chihuahas, um Einwohner zu sein, das sind in Rom die Stiefel. Ja. Im Sommer. Schwitzen ist vorprogrammiert, ebenso der Fusspilz.
Nochmal: mindestens 35 Grad, im Schatten, und dir römische Frau trägt Stiefel. Hoch, robust, Leder. Ich mein, sagt mal gehts noch? Ich hatte mit Flip-Flops noch heisse Füsse.
Absurd. Absolut. Da kriegens die in St.Gallen nicht hin, ihre Sandäleli gegen richtiges Schuhwerk zu tauschen und in Rom tragen sie Stiefel im Hochsommer. Wenn auch nicht grad Gummistiefel, wären die OpenAir-Gängerinnen mit Besohlung a Roma weitaus besser ausgerüstet gewesen.

Darum: Für das nächste Jahr schlage ich vor, dass alle, die ins Sittertobel pilgern wollen, erst mal nach Rom reisen, und da ihre Ballerinas gegen Stiefel eintauschen. So haben alle etwas davon. Die Sittertobeldamen behalten trockene Füsse und die Romani ersparen sich den Champignon.

Wers doch nicht lassen kann, das OpenAir als Laufsteg zu benutzen, dem sei gesagt:
„Eine Sau ist die Eitelkeit“. So Elias Canetti.


„Die Welt liebt Schweine“.
So Eure Rebecca.
rebecca.schnyder@alltickets.ch





Lundi, 06. Juillet 2009 | 15:24

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